Inthislightonthisevening

Manchmal will man unbeding über etwas schreiben, aber die Zeit fehlt. Ergo schiebt man es nach Hinten, bis man dazu kommt.

Meine Meinung zu dem neuen Editors Album In This Light And On This Evening zum Beispiel sollte schon letzte Woche hier zu finden sein. Aber wie so oft: ich kam nicht dazu. Aber jetzt!

Was der gute Jan zum Album meint, das gabs es dann doch schon, hier nochmal zum Nachlesen. Ich jedoch sehe das doch ganz anders.

No one understands, the way you found your God

Editors – Bricks And Mortar

Die ersten Töne des Albums. Der Song In This Light And On This Evening, Namensgeber der Platte. Piano oder Klavier, im Hintergrund dunkle Klänge, die Synthesizer. Roar! Das Album hatte mich, direkt. Zweiter Song. Bricks And Mortar Percussion, hier erneut Synthesizer, die sich im Übrigen im kompletten Album wiederfinden, der Gesang von Tom Smith, dunkel, düster. Ich versank immer mehr in der Musik. Das Lied wurde schneller, das nächste war von Anfang an relativ schnell, das vielleicht einzig “tanzbare” Stück der Platte. Papillon, die erste Singleauskopplung. Schneller, die Synthesizer mehr im Vordergrund. Noch immer düster, Musikalisch wie auch vom Text.

You don’t know love like you used to,
You don’t feel love like you did before.

Editors – You Don’t Know Love

Song Vier.  You Don’t Know Love.  Die Musik verschmilz mit dem unendlich scheinendem Pathos in Smiths Stimme. Gänsehaut bei mir. Jedes mal auf’s Neue. Ich bin gebannt. The Big Exit, die Mitte des Albums. Es wird wieder ein wenig langsamer…No need to ask, you already know the way I feel inside. Smiths Stimme schwingt nur so bei diesen Zeilen, höher als im gewohntem Bariton, doch noch immer tiefer als andere, die Nähe zur Stimme vom verstorbenen Joy Division Sänger Ian Curtis, einmalig.

Editors – Papillon:

Editors – The Boxer

Song sechs. The Boxer. Das beste Stück für mich. Der “Weltenschmerz” sticht hervor. Eine Hymne. Ein einziger, brillianter Pathos. Ich weiß nicht, mehr kann ich einfach nicht sagen. Es geht nicht, man muss es hören. Es ist ein ruhiger Song. Um es wie Jan auszudrücken: […| da möchte man vor Trauer fast tanzen. Es stimmt!

Hold your tongue,
Swallow your venom,
You’re too young,
Hold your tongue.

Editors – Walt The Fleet Road

Like Treasure kommt melodisch daher,  Eat Raw Meat = Blood Drool und zuletzt der klasse Abschluss Walk the Fleet Road runden für mich dieses Album dermaßen ab, dass es für mich jetzt schon das Album des Jahres ist, mutig vielleicht, immerhin sind es noch rund 2 Monate bis das Jahr zu Ende ist.

Die Editors haben vielleicht einen Bruch zu ihren bisherigen Werken geschaffen mit ihrem Dritten Album. Vielleicht mag es dem ein oder anderem so ergehen, wenn er/sie diese Platte hört. Die Gitarren sind mehr in den Hintergrund gerückt, dafür sind Klavier oder Piano, was auch immer es ist, und die Synthesizer mehr in den Vordergrund gerückt. Die komplette Stimmung des Albums ist düster, es geht um Religion, vergangene Liebe und ähnliche Themen.

Pathetisch ist auch das neueste Werk, so wie man es gewohnt war von den ersten beiden Alben. Aber eben durchaus düsterer. Und besser.

Der oft erwähnte Einfluss und Vergleich mit Joy Division ist derart rauszuhören und zu fühlen, es ist unglaublich. Und dennoch ist es noch immer Editors Sound. Für mich selber ist dies die Art Musik, die Anfang der 80er New Order hätten machen sollen. Gut, sie haben es gemacht, es ist die Art Musik, die New Order Anfang der 80er hätten weitermachen sollen.

Es ist für mich die Symbiose aus Joy Division und New Order, wie es schon vor fast 30 Jahren hätte sein können (ein hoch dem Konjunktiv!). Langeweile? Keine Spur!

Natürlich, es ist ganz klar deprimierende Musik. Aber grade jetzt im Übergang zum Winter wunderbar. Letztes Jahr um die Zeit hörte ich sehr viel Get Well Soon. “Depri-Musik” für die frühe Dunkelheit. Vielleicht erklärt auch das meine Begeisterung für dieses Album zu diesem Zeitpunkt. Im Frühling werde ich dafür wieder Will Smith und Miami hören und mich des Lebens freuen. Doch jetzt brauche ich diese Art der Musik. Und die Editors geben mir dies. Und das auf geniale Art und Weise.

Das Album In This Light And On This Evening erschien in Deutschland am 9. Oktober. Man bekommt es zum Beispiel bei Amazon für 13,95€ (Partnerlink) bzw. 16,95€ als Limited Edition (Partnerlink)oder bei iTunes (Partnerlink) für 10,99€ zum herunterladen.

Mehr gibt es unter anderem bei MySpace oder auf der Offiziellen Website.

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