Mir ist das heute was passiert. Während ich im Auftrag im Rahmen meines Zivildienstes mit einer alten Dame einkaufen war, wurde der Akku meines iPhones leerer und leerer. Und irgendwann, wie es so ist, war es aus. Komplett. Rien ne va plus.Und ich war noch rund 2 Stunden vom zu Hause ankommen entfernt. 2 lange Stunden ohne iPhone, ohne Musik, ohne Twitter. Etc pp.
Was also tun? Ich kam mir abgeschnitten vor. Kein telefonieren. Keine Tweets absetzen, kein Facebook Status checken. Oder die Mails. Nichts. Nur eine leere Batterieanzeige auf dem Display. Ich kam mir sogar regelrecht verloren vor.
So lange ich noch mit dem Einkauf beschäftigt war, ging es. Ich hatte ja Beschäftigung. Doch als ich mich auf den Heimweg machte und erneut feststellte, dass der Akku immer noch leer ist und sich nicht durch Frischluft aufladen lässt, da wusste ich nicht so recht. Und es geht hier um knappe 15/20 Minuten, die ich nach Hause habe. Keine großartige Zeit. Eigentlich.
Eigentlich. Das letzte mal ohne Knopf im Ohr wo hingegangen bin ich vor…ja…ich weiß es nicht. Im letzten Jahrtausend? Vielleicht nicht ganz, aber es kommt hin. Der kleine Knopf im Ohr begleitet mich. Egal wohin. Er muss mit. Für die kurze Musik zwischendurch. Die etwas längere Busfahrt, so was halt. Manch einer kennt es vielleicht.
Aber nein, keine Musik. Nicht heute. Auch kein “Ich bin endlich auf dem Heimweg” Tweet, kein anrufen hier zu Hause a lá “Startet schon mal die Kaffeemaschine, ich bin gleich da!”. Auch keine Mail schon mal lesen, keine Neuigkeiten oder Nachrichten von Facebook. Nichts. Nada de nada. Was also soll man machen?
Mit meiner also neu gewonnenen Ohrmuschelfreiheit begann ich die Umgebung wahrzunehmen. Akkustisch. Ungewohnt. Aber doch mal was anderes, als immer nur Musik durch den Kopf dröhnen zu lassen. Und welch eine Soundkulisse es selbst hier, in unserem Ruhrgebietsvorort gibt, ich war ein wenig erstaunt. Das letzte mal, dass ich auf die Klänge einer Stadt geachtet habe, dass war in New York. Vor fast 9 Monaten.
Das Geräusch, wenn sich in der Ferne zwei Hunde anbellen, das auch hier an der Hauptstraße durchgehende dröhnen von Automotoren, Jungen, die teilweise zu Zweit auf einem Fahrrad die Stadt runterdüsen, wild lachend und johlend. Die Örtliche Motorrad Roller Mofagang, mit ihren rasselnden 25-Kilometer-pro-Stunde rasenden Zweirädern. Es hat mir gefallen. Irgendwie.
Und es hat mich doch ein wenig nachdenklich gemacht.
Bin ich ernsthaft so daran gewöhnt, ja nahezu abhängig, ständig mit alles und jedem vernetzt zu sein, jedoch gleichzeitig meine direkte Umwelt praktisch auszublenden? Kann ein solch kleines, dünnes, mit Rumtouchfunktion mich so im Bann haben, dass ich mich ohne ein wenig nackt und verloren fühle?
Und ist es nicht eigentlich Freiheit, sich die Freiheit zu nehmen, sich von aller Vernetzung mal von Zeit zu Zeit zu befreien, um an freien Tagen mal wirkliche Freiheit zu erleben und zu genießen?
Was denkt ihr? Weil ich weiß die Antworten nicht wirklich.
Jedoch weiß ich, dass es mich nachdenklich macht und ich vielleicht mal ab und an einen No-Tech-Day über mich ergehen lassen sollte, ohne einen Gedanken an Twitter, Facebook, dauerhafte Erreichbarkeit durch Telefonie und Short Messages und überhaupt Internet zu verschwenden. Einfach einen Tag mit einem guten Buch im Garten verbringen, nichts machen, faulenzen, wenn man so will. ohne .mp3 und Vernetzung. Einfach mal frei sein.



Ja, so Tage sollte man wirklich ab und an mal einlegen. Sehr sinnvolle Sache.
Mich nervt es manchmal auch extrem, dieses vernetzt sein.
Guckt man 3 Tage mal nicht in den Feedreader warten direkt 200 neue Einträge auf einen usw.
@Jens
Oh, bei mir sind es Mittags wenn ich nach Hause komme schon über 200 :/
@Jens
Und wo du ja jetzt eh am Heilfasten bist, kannst du ja einfach mal einen solchen Tag mit dabei einlegen.
[...] beschreibt in diesem Eintrag ein Erlebnis das ihn und mich etwas nachdenklich gestimmt hat: Mir ist das heute was passiert. [...]