Zwei Wochen sind vergangen seit Dockville. Seit einem der Top-10 Festivals der Welt (nachzulesen in der PRINZ Hamburg). Seit Musik, Kunst, Spaß, Nachdenken, Freundschaft, Liebe, Schwedensehnsucht, Bier, Zelten, Tanzen. Seit dem schönsten was die Festival-Landschaft so zu bieten hat und das ist ganz einfach mal untertrieben.

Was geht da eigentlich ab in Hamburg? Was denken sich die Veranstalter so was auf die Beine zu stellen, ganz klein, ganz heimlich und man kommt hin und plötzlich ist es groß? Große Musik, große Kunst, großes kleines Festival?

Ich bin spontan dagewesen. Am Mittwoch erst mein Ticket kaufen lassen (danke Schwesterherz), die Zugfahrten erst Donnerstag gebucht, Sachen gepackt, los. Freitag Mittag die S-Bahn in Hamburg-Wilhelmsburg verlassen, meine Schwester getroffen, ein bisschen geplaudert, in den Shuttle gestiegen, losgefahren, angekommen. Wetter angesagt: Regen, Wetter real: Sonne, heiß, schwitzen, Festival. Zugang zum Camping war noch zu, Stimmung trotzdem gut.

Dann ging’s sehr bald los, rein, gucken, gucken, staunen, Augen zu, Augen auf, doch… das ist der Campingplatz… Entschuldigung, Campingpark. Man hat nicht etwa irgendein Feld platt gemacht und die Leute in Kästchen eingeteilt sondern da gibt’s Bäume und Sträucher und kleine Campinginseln. Meine Gruppe, von der ich übrigens nur einen kannte und fünf weitere nicht, kam zwei Stunden später an und als man dann so aufgebaut hatte und sich unter den Pavillon gesetzt hatte und das dritte Bier aufmachte, da merkte man: Hey, wir haben vielleicht gerade mal 50 Nachbarn. Gemütlich so was.

Dann das Festival-Gelände. Keine Getränke erlaubt… Scheiße so was? Wieder Überraschung. Die Veranstalter stellen Ordner an den Ausgang des Campings die den ganzen Tag Becher austeilen zum umfüllen. Richtig gut so was!

Und dann? Schon wieder schön. Alter Industriecharme, viel Kunst, viel Gemütlichkeit. Birkenwäldchen mit Hängematten, Sonnensegel zwischen den Bäumen die nachts angestrahlt werden, Riesenschaukel, später Riesenlasershow an der Gebäudewand.

Ich muss das alles einfach mal loswerden. Ich muss das alles aufschreiben denn dieses Festival hat mich einfach so tief beeindruckt und berührt. Es geht hier nicht einfach nur um die Musik und man rennt nicht ständig einem engen Zeitplan hinterher denn „ich will noch unbedingt Dingensbummens sehen“. Sondern hier geht’s um ein Lebensgefühl und um ein Wochenende was wie Urlaub ist.

Aber natürlich gab’s auch Bands und vier Bühnen, naja beziehungsweise Sieben wenn man die kleineren Clubs mitzählt. Und jetzt einfach mal im Schnelldurchlauf was ich so gesehen oder gehört habe und wie’s so war:

Freitag:

Villagers: Vom Zeltplatz aus. Sehr entspannend, sehr ruhig und viel Herz.

Portugal.The Man: Sehr coole Show, der Bassist ist einfach ‘ne coole Sau, mitreißend.

K.I.Z.: Allein schon diese Reihenfolge und die wird noch besser. Natürlich mega abgegangen, Pogo, grölen, Geld essen, sich endlich auch mal asi fühlen.

Shantel & Bucovina Club Orkestar: Balkan! Liebe! Lebensfreude! Das beste Konzert, völlig ungelogen, wo ich jemals sein durfte, so tanzbar, so fröhlich. Das Beste kam zum Schluss, Andy und ich ganz vorne, Shantel springt auf die Balustrade, genau vor uns. Ein paar Minuten später holt er den Champagner raus, einmal über die Menge, dann in Andys Hände, wir kriegen beide einen Schluck und Glück ab. Hier einmal eine kurze Impression via YouTube

The Whip/Wir sind Helden: Beides so am Rande mitgekriegt. The Whip sind nen cooler Act, absolut tanzbar. Und ich werd wohl nie auf deutsche Rockmusik stehen. Nie.

Bratze: Eigentlich eher Zufall, dass wir ihn doch noch gesehen haben, aber eine andere Band hatte Instrumente verschlampt und deshalb für Verzögerung gesorgt. War dann aber doch nicht so doll und wir zu voll. Haben dann noch versucht zur Elbe zu kommen aber fanden den Zugang nicht und sind dann ab ins Zelt.

Samstag:

Agnes Obel: Bekannt aus der Telekom-Werbung mit dem Song „Just So“ Entspannt, Augen zugemacht, genossen.

Harlem: Standen im Stau, deshalb gab’s vorher einen sehr, sehr coolen Spontan-Poetry Slam. Die Band deshalb etwas zu kurz und ein bisschen gehetzt. Trotzdem großartiger Sound.

Kakkmaddafakka: Auf dem Weg zum Zeltplatz kurz gesehen, witzige Show, interessante Musik, interessanter Name.

Seabear: Aus dem Zelt gehört. Wunderschön schwedig!

Friska Viljor: Die haben richtig eingeheizt und waren einfach gut drauf.

Bombay Bycicle Club: Der Sänger ist einfach krass in jeder Beziehung. Und der Bass bei Evening/Morning hat einem jedes Mal die Freudentränen in die Augen getrieben. Großartig.

Bonaparte: Pflichtbesuch. Auf dem Hurricane waren die noch irgendwie ein bisschen lame gewesen. Hier ging’s richtig ab. Mit dem neuen Album im Rücken, gut gelaunte Musiker und Tänzer, oh yeah. Apropos Tänzer: Es ging endlich mal wieder in die Vollen. Nach zwei Dritteln der Show waren die Klamotten weg und die beiden Frauen haben sich den unglaublichsten Catfight geliefert. Sehr schön und witzig. Tobias Jundt war dann irgendwann auch fertiger denn je und fiel über die Bühne und machte seine Späße und rastete aus wie Sau. Geil!

Jamie T.: Mit wenig Kraft reichte es leider nur zum hinten stehen und genießen. Ging trotzdem richtig los und bei den Breakbeats musste man dann auch einfach tanzen. Jamies Bruder war da und hatte Geburtstag, deshalb gab’s einfach mal ein fettes Happy Birthday von mehreren Tausend. Der Gitarrist fragte nach Weed und es war heile Jamie T. Welt.

Klaxons: Exklusiv nur auf dem Dockville und das neue Album kam am Sonntag raus und da war es natürlich umso herrlicher dabei zu sein. Konsequent ein Song vom alten Album, ein Song vom Neuen. Knaller! Laut! Bäm! Wer die Yamaha-Keyboards aus der Schule noch kennt, dieser Song ist für euch ;)

Nebenbei mitgekriegt:

Die Sterne: Urg.

Uffie: Urg.

Delphic: Yeah!

Frittenbude: Naja.

Sonntag:

Der komische Tag. Helgi Jónsson kam direkt mal nicht. Detroit Social Club klangen vom Zeltplatz ganz gut. Jupiter Jones kam auch nicht. Nach dem holprigen Start dann aber:

We Were Promised Jetpacks: Eine reine Freude den Jungs zuzusehen, der Drummer sah manchmal etwas angestrengt aus aber hat regelmäßig geile Sachen rausgehauen. Mitbrüllen übrigens erwünscht.

Good Shoes: Ein weiteres Highlight. Geniale Musik. Geniale Stimme. Genial. Auch, dass dann wieder einige anfingen die Schuhe in die Luft zu recken ;)

Fanfarlo: Diese kleinen Schweden. Die spielen sich direkt ins Herz und in die Beine und man fängt an zu weinen vor Freude und Sehnsucht nach Schweden, also Schwedensehnsucht. Multiinstrumentalisten haben sie gleich zwei dabei und sehen auf der Bühne viel größer aus denn…

The Drums: Bei denen stand Fanfarlo nämlich direkt hinter uns und sah sich das Schauspiel an. Coole Sache. Fotos gemacht. Apropos Schauspiel, das waren The Drums. Herrje, ich hab noch nie so nen schwulen Tanz gesehen. Die Stimme war auch nicht der Hammer… naja. Das eigentliche Highlight war angeblich:

Slime: Alt-Punk Band gleichzeitig auf der Hauptbühne. 30-Jähriges Bandjubiläum, nach 15 Jahren wieder auf der Bühne. Texte wie „Deutschland muss sterben, damit wir leben können“ gehen wohl direkt ins Mark. Gut, wer meint. Da war im Anschluss das Poetry Slam Finale, haben wir aber leider verpasst.

Letzte Bands auf den großen Bühnen waren dann noch Hallogallo 2010, auch eher was für Nostalgiker, Kraftwerk/Neu! Fans undso, im vorbeilaufen aber ok der Eindruck. Wir waren aber bei:

Jan Delay: Fetteste Show auf dem Festival mit LED-Wänden etc. pp. Wir haben uns aber vorzeitig ins Sierra Tequila Zelt gesetzt weil Dunkles aufzog und das war auch die richtige Entscheidung. Blitz, Donner, stehendes Wasser, Sintflut, Untergang. Ich musste dann leider gerade zum Zug zurück, denn Montag ging’s wieder auf die Arbeit. Bäh. Hatte es aber doch besser getroffen als meine Leute. Denen ist in der Nacht der Pavillon noch zusammengebrochen. Großer Mist.

Und dann saß ich im IC nach Bochum, nass, kalt, stinkend. Die ganze Zeit Halbschlaf und dann war ich schon unter der Dusche und dann im Bett. Und jetzt zwei Wochen später will ich wieder zurück. Schon seit zwei Wochen. Jeden Tag Sehnsucht. Und am 15. Oktober, da wird das Ticket für nächstes Jahr gelöst. Aber so was von!

Wenn ihr es jetzt bis hier geschafft habt, dann gibt’s als Schmankerl zum Schluss den wirklich genialen Dockville-Film der einfach alles einfängt was war und richtig krass das Herz berührt. Zumindest meins :)

Kategorien: Leben, Musik Tags: , , , , ,

Sag was: